Seit Ende letzten Jahres spitzt sich der Konflikt zwischen dem Chipgiganten Intel und dem Spezialisten für  Mainboard- und Grafikchipsätzen kontinuierlich zu.  Zum Einen “verbal” in der Auseinadersetzung um nVidias Ion Chipsatz und Grafikkartenkombination für günstige Netbooks oder Nettops und mittlerweile gerichtlich um zukünftige nVidia Chipsätze für Intels neue “Nehalem” Prozessorgeneration Core i7. Allerdings geht es in diesem Konflikt nicht nur um wirtschaftlichen Interessen zweier Unternehmen, sondern vielmehr um die Rechner- bzw. Softwarearchitektur der Zukunft.

Die Vergangenheit

Im Jahr 2004 als Intel die Leistungskrone in Ihrem Kerngeschäft an AMD verloren hatte, wurden Intel und nVidia zu Partnern. Sie tauschten gegenseitig Patente aus so dass Intel SLI (Verbund aus zwei oder mehr Grafikkarten) taugliche und nVidia Intel CPU kompatible Chipsätze entwickeln und vertreiben konnten. Dadurch erhoffte sich Intel einen höheren Absatz seiner auch als Heizlüfter bekannten Pentium IV Prozessoren, während sich für nVidia ein großer Absatzmarkt auftat.

Conrad Electronic

Die Gegenwart

Mittlerweile ist aus dem für Intel Verhältnisse kleinen “David” nVidia noch kein Goliat geworden, doch knabbert nVidia mächtig an Intels Marktanteilen im Desktop und Notebook Segment. Konnte Intel ab dem Jahr 2003 mit dem Centrino Logoprogramm welches für eine CPU, Chipsatz und WLAN Karte von Intel stand, den größten Marktanteil für sich erobern und Konkurrenten wie AMD bei den CPUs, nVidia oder AMD/ATI bei den Chipsätzen oder Realtek bei Netzwerkkarten zurückdrängen. Allerdings hat man die Entwicklung der Grafikeinheiten, eventuell zugunsten der neuen “Nehalem” Prozessorarchitektur, und die Integration verschiedener Bauelemente wie North- und Southbridge in nur ein Bauteil verschlafen. So bietet nVidia und ATI mittlerweile Chipsätze mit integrierter Grafik an, die ein vielfaches an Grafikleistung erbringen. Zudem hat nVidia mit der 9000M G Familie einen Chipsatz geschaffen, der mit einem einzigen Bauteil auskommt. Dies bieten vor allem in der Herstellung aber auch beim Design Vorteile. So sinken die Ausschußraten bei der Produktion, weil man nun einen komplexen Chip weniger auflöten muss. Zudem sinkt die Platinenfläche, welches eine geringere Produktionskosten und/oder dünnere Notebookdesigns zulässt. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist das MacBook Air der zweiten Generation. Durch den Umstieg auf nVidia Hardware soll sich die Grafikleistung, laut Apple, nahezu vervierfacht haben. Was bei High-End Subnotebooks begann, soll sich laut nVidia auch auf Netbooks, Nettops und All-in-one-PCs übertragen lassen. Deshalb schwelt hier schon der nächste Konflikt. So hat nVidia eine neue Chipsatzplattform für günstige Rechner namens Ion präsentiert. Dies passt dem Prozessorgiganten aus zwei Gründen nicht, da die “beschnittene” 4-5 Jahre alte Grafikeinheit der “Atom” Baureihe das Hauptabgrenzungsmerkmal zu Leistungsfähigeren Rechnern z.B. der Centrino2 Reihe ist. Somit würde die Verwendung des Ion Chipsatzes nicht nur Intels Absätze bei den “Atom Chipsatz” 945GSE oder GN40 verringern, sondern würde zudem die Absatzzahlen der Netbooks auf Kosten der margenstarken Centrino-Klasse hochtreiben. Hier hat Intel aber noch ein Ass im Ärmel, die Atom CPUs mangels entsprechender AMD oder Via Konkurrenz, einfach weiterhin nur in Paket mit entsprechendem Chipsatz zu verkaufen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass dies die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen würde.

Die Zukunft – Ein Ausblick

Mittlerweile hat Intel die Leistungskrone bei Prozessoren AMD entrissen und AMD kann seine Prozessoren fast nur nur noch über den Preis verkaufen. Die SLI Patente hat Intel durch die Vereinbarungen von 2004 ebenfalls “im Sack” und nVidia ist ein ernsthafter Konkurrent geworden, welche Intel gerne loswerden würde. Da passt es gut, dass das Lizenzaustauschprogramm mit nVidia sich nicht auf “tiefgreifende” technologische Neuerungen beziehen soll. Laut Intel ist dies, mit der Verlegung des Speichercontrollers direkt auf das Die des CPUs geschehen. Für nVidia ist dies selbstverständlich nichts Neues, da der Speichercontroller bei AMD schon seit Jahren in der CPU integriert ist und nVidia genauso lange schon entsprechende Chipsätze liefert.

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Auch könnten die Vorstellungen beider Branchengrößen über die zukünftigen Rechnerarchitektur nicht anders aussehen. Während Intel sein Visionen rund um die CPU und mehreren Duzend Cores, also Kernen, ausmalt, stellt sich nVidia die Auslagerung von Rechenoperationen von der CPU an die Grafikkarte vor. So hat heutzutage eine Grafikkarte der Oberklasse schon ein mehrfaches der Rechenleistung eines High-End CPUs. nVidia gehört  hinter Apple zu der treibenden Kraft bezüglich OpenCL. Dies ist ein von mehreren Branchengrößen erarbeiteter Standard, der letztlich OpenCL schon auf der Ebene des Betriebssystem integrieren soll. Hierdurch würde bei identischer CPU nicht nur die Performance entscheidend verbessert werden, sondern es soll Softwareentwicklern erleichtert werden Ihrer Programme mit Hilfen von OpenCL zu optimieren. Ob das Konzept von Intel, mehr Cores und nach der Integration des Speichercontrollers die Integration eines Grafikprozessors in die CPU erfolgsversprechender ist, werden erst Benchmarks einsatzfähiger Systeme zeigen. So sollen, laut Roadmap 2010, erste “Larrabee” CPU-GPU Kombiprozessoren erhältlich sein. Wie hoch die Grafikleistung dieser Systeme sein wird, wissen momentan höchstens die beteiligten Intel Ingenieure oder Manager…

Intel vs. nVidia – Der Kampf um die Rechnerarchitektur der Zukunft?
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