Der Test: Sigma RC1209 Laufcomputer mit R3 Brustgurt

Gut ein halbes Jahr nach der ersten Präsentation hat nun Sigma Sport pünktlich zum Weihnachtsgeschäft seinen neuen RC1209 Laufcomputer an seine Händler ausgeliefert. Umso mehr freut es mich, dass ich zu einem der ersten Benutzer gehöre, die dieses Gerät ausgiebig im alltäglichen Training verwenden können. Insbesondere durch den komplett neuentwickelten R3 Brustsender mit Textilgurt, digitaler „STSrun” Übertragungstechnik und integrierter Geschwindigkeitsmessung bringt dieses Gerät viele Innovationen bei vergleichsweise moderatem Preis. Ob der Newcomer dadurch aber den Vergleich mit den am Markt etablierten Systemen scheuen muss oder diese eher “alt” aussehen lässt, ist eine berechtigte Fragestellung.

Sigma RC1209 mit allem Zubehör und der Originalverpackung

Sigma RC1209 mit allem Zubehör und der Originalverpackung

Wie oben abgebildet, gehören der RC1209, der R3 Sender, ein Textil Brustgurt, der HipClip und natürlich eine mehrsprachige Bedienungsanleitung zum Lieferumfang. Der R3 Sender kann entweder wie üblich mit dem Brustgurt zur Geschwindigkeits- und Pulsmessung getragen werden. Möchte man nur die zurückgelegte Distanz messen und benötigt keine Herzfrequenzdaten, so kann man den Sensor auch mittels des HipClip am Hosenbund befestigen. Dieser Einsatz eignet sich zum Beispiel beim Wandern oder für Nordic Walking. Die Datenübertragung zwischen R3 Sensor und RC1209 ist wie heute üblich in einem hohen und somit störungsunempfindlicheren Frequenzband angesiedelt und zudem digital ausgelegt. Daher sind Probleme bei der Funkübertragung weder zu erwarten noch während meiner Tests aufgetreten. Allerdings wurde das Sigma Transmission System (kurz STS) für den R3 Sensor zu “STSrun” erweitert, so dass momentan nur der RC1209 mit diesem Sensor kompatibel ist. Ein Sigma Rox 9.0 hat den R3 Sensor definitiv nicht erkannt.

Der RC1209 Laufcomputer

Kommen wir zunächst einmal zu den Basisfunktionen des Laufcomputers. Der überwiegend aus robustem Kunststoff gefertigte Laufcomputer zeigt, solange man nicht trainiert, die Uhrzeit und das aktuelle Datum an. Diese muss man bei der ersten Verwendung des Geräts, neben seinen persönlichen Daten wie Geschlecht, Geburtsjahr, Gewicht, HFmax, Anzeigesprache und verwendete Maßeinheiten, eingeben. Zudem kann man noch die gewünschte Intensitätszielzone der Herzfrequenz nach “Fettverbrennung”, “Fit Zone” oder “Individuell” einstellen. Wie der Name “Fettverbrennung” schon sagt, wird bei dieser Intensitätszone im aeroben Bereich trainiert, so dass der Abbau ungewünschter “Polster” maximiert wird. Bei der “Fit Zone” ist die Intensität höher, da die Steigerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit die Zielsetzung ist. Daher steigert man die Herzfrequenz in den höheren „aneroben“ Pulsbereich. Diese beiden Zielzonen werden von der RC1209 anhand der maximalen Herzfrequenz (HFmax) ermittelt. Die HFmax wiederum wird entweder durch die eingegebenen Körperparameter wie Alter und Geschlecht vom Gerät vorgeschlagen oder vom Nutzer manuell eingestellt. Die Trainingszone „Fettverbrennung“ verwendet 55-70% der HFmax und die „Fit Zone“ 70-80% der HFmax als Grenzwerte.

Im Trainingsmodus ist das Display in drei Zeilen unterteilt. In der Obersten wird, sofern der R3 Sensor an der Brust getragen wird, immer die Herzfrequenz angezeigt. In der mittleren Zeile kann man zwischen der Geschwindigkeit (min/km oder km/h) und der zurückgelegten Distanz wechseln. Die unterste Zeile kann mit Hilfe der unteren rechten ”+ Speed” Taste auf die Anzeige der Trainingsdauer, Uhrzeit, durchschnitts- sowie maximal Geschwindigkeit eingestellt werden. Mit Hilfe der unteren linken “- Pulse” Taste kann man zwischen den Anzeigewerten
durchschnitts Herzfrequenz, maximale Herzfrequenz und den während des Trainings verbrannten kcal wechseln. All diese Werte stehen einem nach dem Training ebenfalls zur Durchsicht bereit und werden noch in der untersten Zeile von der saisonalen Gesamtdistanz, Trainingszeit und Gesamt-kcal ergänzt. Während des Trainings benötigt man also nur die beiden unteren Tasten um durch die Anzeige zu scrollen. Dies ist eine sehr einfache und auch übersichtliche Menüstruktur, mit welcher man schnell zurecht kommt, auch wenn man sich selbst eher als “Technik Dau” einschätzt. Im Trainingsmodus selbst vermisst der etwas ambitioniertere Läufer eigentlich nur eine Funktion. Dies ist die Nahme von Zwischen- bzw. Rundenzeiten. Nach dem Training stellt man fest, dass der RC1209 nur die jeweils aktuellste Einheit wiedergeben kann. Sprich, vor dem Beginn der nächsten Trainingseinheit muss man die „Alte“ löschen, damit man “richtige” Durchschnitts- und Gesamtwerte für die neue  Einheit erhalten kann.

Der R3 Sensor mit integrierter Geschwindigkeitsmessung

Mit der Ankündigung einen Geschwindigkeitssensor in einen Brustgurt zu integrieren, hat Sigma Sport für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Zunächst einmal ist die grundlegendste Funktion des Brustgurtes eine adäquate Erfassung der Herzfrequenz bei gleichzeitig hohem Tragekomfort. Zweifelsohne hat Sigma hier weiter zur Konkurrenz aufgeschlossen. Ich konnte während der Trainingseinheiten weder Unterschiede zu meiner Polar Pulsuhr, noch irgendwelche Aussetzer feststellen. Allerdings müssten diese, damit ich sie bemerke, genau in jenem Moment auftreten, in welchem ich ohnehin auf die Uhr schaue oder entsprechend über einen längeren Zeitraum auftreten. Auch stehen noch keine “Langzeiterfahrungen” mit dem Brustgurt zur Verfügung, denn hierfür benötigt man sicherlich ein Jahr um einen wahrnehmbaren Verschleiß zu verursachen.

Aber zunächst bei aller Euphorie ist bezüglich des Messprinzips für die Geschwindigkeits- und Distanzdaten auch eine gewisse Skepsis vorhanden. Im Vergleich zu einem Sensor, welcher am Fuß angebracht wird, sind die messbaren Unterschiede hinsichtlich der Beschleunigung im Brustbereich zum Einen geringer und zum Anderen auf alle drei Richtungsachsen verteilt. Der Oberkörper erfährt beim normalen Laufen fast keine Beschleunigung wird aber dafür bei jedem Schritt in die entgegengesetzte Richtung rotiert. Dies kann man sich gedanklich am Besten an einem Läufer auf dem Laufband verdeutlichen. Ein Beschleunigungssensor am Fuß angebracht, hat bei jedem Schritt, eine Phase ohne wirkenden Beschleunigung. Dies ist die Zeit, in welcher der Fuß Kontakt zum Boden hat. Erst wenn der Fuß hochgezogen und nach vorne versetzt wird, wird der Fuß zunächst beschleunigt um dann wieder zum Aufsetzen hin abgebremst zu werden. Hier hat man also ein Minimum und ein Maximum der Beschleunigung sowie nur zwei Achsen, in welche der Sensor bewegt wird. Nach oben und unten sowie nach vorne. Wer mehr zum Thema Laufsensor erfahren möchte, der lese doch bitte die Seite “Technischer Hintergrund (der Polar) Laufsensoren”.

Nun aber wieder von der Theorie zurück zur Praxis. Die sah in den letzten Wochen insgesamt 325,75 Laufkilometer auf meiner Referenzstrecke und auf dem Laufband vor. Insgesamt, also nicht nur bei auf die Gesamtdistanz sondern auch mit verschiedenen Tempi zwischen 4:00 und 6:00min/km (10-15km/h) gesehen, lag die Abweichung des unkalibrierten Sensors dabei –2,53%. Also anstatt der real absolvierten 325,75km zeigte mir der RC1209 317,511km an. Die maximale Abweichung betrug hierbei –4,83% bei 5:54min/km und +1,30% bei 4:20min/km. Verwendet man den optimalen Korrekturfaktor (325,75km / 317,51km = 1.026), liegen die maximalen Abweichungen zwischen –2,33% und +2,97%. Apropos Kalibrierung: Der RC1209 bietet zwei Möglichkeiten der Kalibrierung. Sigma Sport spricht in diesem Zusammenhang von “Kalibrierung” (durch Laufen) und “Korrekturfaktor” (durch Rechnen). Diese Möglichkeiten  sind an für sich nichts Neues. Was neu ist, ist die Möglichkeit beim “Kalibrierungslauf” dies für eine niedrige und eine höhere Geschwindigkeit zu tun. Sprich eine geschwindigkeitsabhängige Korrektur. Dies ist, meiner Erfahrung nach, sehr sinnvoll, da sich eben dieser Faktor mit zunehmender Geschwindigkeit auch ändert. Wie dieses Funktion allerdings genau rechnet, ist zumindest in der Bedienungsanleitung nicht näher erläutert. Lediglich wie man einen Kalibrierungslauf durchführt. In den nächsten Wochen werde ich noch versuchen, die Messungen durch einen solchen Kalibrierungslauf zu optimieren. Einen Korrekturfaktor manuell auszurechnen, ist identisch mit der Vorgehensweise von Garmin, Suunto oder Polar. Hierbei rechnet man lediglich ( aktueller Korrekturfaktor * tatsächliche Distanz) / angezeigte Distanz und gibt diesen Wert manuell in den Laufcomputer ein. Eine weitere Ausnahme des Sigma Gerätes ist, dass man auch beide Korrekturmöglichkeiten gleichzeitig, quasi hintereinander geschaltet, verwenden kann. Auch verändert ein Kalibrierungslauf nicht den im Gerät hinterlegten Korrekturfaktor und umgekehrt. Wohl aber wirkt sich ein neuer Kalibrierungslauf oder eine Änderung des Korrekturfaktors aber auf die Ergebnisse zukünftiger Messungen aus.

Aber für ein effektives Lauftraining ist nicht nur die absolvierte Distanz ein wichtiger Punkt, sondern auch eine Zuverlässige Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit. Dieser Messwert rückt, sobald man sich mit einer effektiveren Trainingsgestaltung oder auch umfangreicheren Trainingsplänen beschäftigt, in den Fokus. Bei der genauen Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit haben auf Beschleunigungssensoren basierte Laufsensoren Ihre Vorteile gegenüber einem GPS Empfänger. Bei diesen ist, auf Grund des Funktionsprinzip des GPS Systems keine genaue Geschwindigkeitsberechnung möglich und die Anzeigen daher sehr schwankend. Der R3 Sensor reagiert mit einer Latenz von wenigen Sekunden sehr genau auf Geschwindigkeitsänderungen und hat auch beim abrupten stehenbleiben keinen nennenswerten Nachlauf. Da bei Laufsensoren ein linearer Zusammenhang zwischen der gemessenen Distanz und der Geschwindigkeit besteht, hat die Geschwindigkeitsanzeige die gleichen Abweichungen wie die der gemessenen Distanzen, was in der Praxis bedeutet, dass der R3 Sensor auch für auf Geschwindigkeitsvorgaben basiernde Trainingseinheiten geeignet ist.

Desweiteren bietet der RC1209 Einstellungs- und Nutzungsmöglichkeiten speziell fürs Gehen bzw. Wandern oder auf neudeutsch “(Nordic) Walking”. Diese habe ich allerdings mangels Zeit (und Lust) nicht weiter betrachtet. Allerdings wollte ich es an dieser Stelle zusammen mit dem HipClip nicht unerwähnt lassen.

Fazit

Nach so vielen technischen Details komm ich nun zu meinem Fazit. Der RC1209 will ein einfaches Einsteigergerät sein und dabei den Benutzer nicht mit zu vielen Einstellungsmöglichkeiten überfordern. Und genau dies ist er auch. Er ist definitiv kein funktionsüberladenes Profigerät, sondern konzentriert sich auf die wesentliche Anzeigefunktionen. Deshalb kann der Läufer das Gerät einfach nur anlegen und direkt loslaufen, egal ob er im Fitnessstudio auf dem Laufband oder quer durch den Wald hechelt. Die Herzfrequenzerfassung ist soweit fehlerlos und die Distanzmessung funktioniert hierbei so gut wie beim Polar s1 Laufsensor bzw. dem Suunto Foot Pod ohne selbigen am Schuh zu benötigen. Dem etwas genaueren und mit Schrittfrequenz “ausgestatteten” Garmin SDM4 oder Polar s3 Laufsensor ist das Sigma System einen Tick unterlegen. Ambitionierten Läufer hingegen, wird leider die Lap-Funktion und das Speichern von Dateien samt Übertragung an den PC oder ins Internet fehlen. Geräte, die diese Funktionen beherrschen kosten mit ca. 150€ allerdings auch grob geschätzt das Doppelte. Wer sich dieser Einschränkung bewusst ist, sich damit abfinden kann und bereit ist, seine Trainingswerte in ein Excelliste oder Online Trainingstagebuch manuell einzupflegen, der wird sicherlich, wie Laufsporteinsteiger oder “Walker”, im RC1209 samt R3 Sensor einen zuverlässigen Trainingspartner finden…

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Quellenverzeichnis:
Sigma Sport RC1209 Bedienungsanleitung

Der Test: Sigma RC1209 Laufcomputer mit R3 Brustgurt
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    #1 Artikel von Manuel  (Vor 5 Jahren)

    Hallo,
    wie kann ich den Sensor wieder vom Clip entfernen.
    Danke im Voraus!

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      #2 Artikel von LukeNRG  (Vor 5 Jahren)

      Einfach an den Ecken mit etwas Kraft aus den Nasen der Halterung drücken…

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    #3 Artikel von Andreas  (Vor 5 Jahren)

    Hallo,
    der Test ist sehr ausführlich, danke

    Meine Frage: kann man die Uhr auch fürs Radfahren nutzen? Oder vielleicht den RC 14.11 fürs Radfahren nutzen?

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    #4 Artikel von Andreas  (Vor 5 Jahren)

    Hallo,

    ich habe das Gerät seit Januar im regelmäßigen Einsatz. Zum Thema Qualität kann ich sagen:
    1. Der Brustgurt „ringelt“ sich seitlich
    2. Das Armband verfärbt sich dunkel
    3. Die farbigen Seitenteile sind eingerissen und lösen sich
    Ich werde mich mit Sigma in Verbindung setzen.
    Wie es weitergeht, werde ich euch mitteilen.

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    #5 Artikel von Hanka  (Vor 6 Jahren)

    Ok, vielen Dank.

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    #6 Artikel von Hanka  (Vor 6 Jahren)

    Hallo,

    erst einmal ein Lob für den Test und die Beschreibung der Ergebnisse. Eine Frage hätte ich: Die Distanzmessung sollte doch auch beim Inline Skaten funktionieren, oder?

    LG Hanka

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      #7 Artikel von LukeNRG  (Vor 6 Jahren)

      Leider wird das nicht beim Inline Skaten Skaten funktionieren, da der R3 Sensor auf einen lauftypischen Bewegungsablauf angewiesen ist. Beim Inlinern kommt eigentlich nur ein GPS basiertes System in Frage.

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    #8 Artikel von SmallestRunner  (Vor 6 Jahren)

    Was soll ich sagen? Hört sich nach dem an, was ich suche :D. Danke für den Test!

    Ich habe noch 2 Fragen.

    1. Wie is die Verarbeitungsqualität?

    2. Wie is der Batterieverbrauch des Gurts und was für Batterien kommen zum Einsatz?

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      #9 Artikel von LukeNRG  (Vor 6 Jahren)

      Zur Verarbeitungsqualität kann man nicht viel sagen. Ist „unauffällig“ aber fast komplett aus Kunststoff. Lediglich der Batteriefachdeckel ist aus Metall.

      Zum Thema Batterien, so schau einfach in der Bedienungsanleitung unter „Technische Daten“ nach. Dort sind auch die Batterietypen aufgelistet. Da sowohl die RC1209, als auch der R3 Sender erst seit wenigen Wochen auf dem Markt verfügbar sind, wirst Du noch keine allzugroßen Erfahrungen zur Batterielebensdauer finden…

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