EuroBike’11: Details & Fotos rund um Garmins Vector Leistungsmesspedale

Nachdem Garmin im Vorfeld der EuroBike 2010 das Metrigear Vector Leistungsmesssystem samt Entwicklerteam übernommen hat, haben sich die US-Amerikaner noch vor der EuroBike 2011 in Friedrichshafen entschlossen Produktbilder, erste technische Details des fertigen Produkts und weitere Informationen rund um kompatible Garmin GPS Computer der Öffentlichkeit vorzustellen. Der Charm des Garmin Vector Pedalssystem gegenüber herkömmlichen Leistungsmesssystemen ist zum einen dass die gefassten Messgrößen für jedes Bein getrennt erfasst werden und man die Pedal schneller zwischen Rädern und auch Spinnig Bikes wechseln kann. Die aktuell auf dem markt erhältlichen Systeme sind entweder im Kurbelstern integriert (SRM, Power2Max & Quarq) oder vom Marktführer CycleOps in der Hinterradnabe integriert. Dies bedeutet, dass man sich bisher beim Erwerb auf eine bestimmte Kurbel bzw. Kettenblattabstufung oder ein bestimmten Laufrad- Felgentyp entscheiden musste.

Auffälligste Neuerung des nun von Garmin vorgestellten Vector-Pedals ist das komplett überarbeitete Design mit gleichzeitigem Wechsel auf das weit verbreitete Kéo Schuhplattenystem des französischen Herstellers Look. Dies ist insofern lustig, als dass nun alle Hersteller von pedalbasierten Leistungsmessern gleichzeitig auf das selbe Schuhplattensystem setzen. Auf der anderen Seite ist dies einfach das am weitesten verbreitete System auf dem “Markt”.

Garmin Vector an einer Shimano Dura Ace 7900 KurbelgarniturGarmin Vector Pedale samt externem BatteriefachGarmin VectorDGarmin VectorGarmin Vector

Quelle: Garmin Inc.


Wie schon die ersten Prototypen von Metigear, hat auch Garmin das eigentliche Messsystem in der hohlen Pedalachse integriert. Das Pedal selbst wird nun vom taiwanesischen Komponentenhersteller Exustar beigesteuert. Es besteht aus einer zeitgemäßen & leichten Compositekonstruktion. Diese Bauweise ermöglicht eine extrem leichte Ausführung, welches lediglich 50g Mehrgewicht gegenüber konventionellen Pedalen auf die Waage bringt. Das Messsystem, welches in der hohlen Pedalachse untergebracht ist, misst durch seine integrierten piezoelektrischen Dehnmessstreifen die Verbiegung der Pedalachse durch die anliegenden Druck oder Zugkräfte über die gesamte Pedalumdrehung erfasst. Die integrierten Beschleunigungs- und Temperatursensoren werden zum Einen für die Bestimmung der genau anliegenden Kräfte benötigt, ermöglichen aber zum Anderen nebenbei auch die Ermittlung der Trittfrequenz. Zuletzt soll das Gesamtpaket der Sensoren so abgestimmt sein, dass nötige Kalibrierungen automatisiert im Hintergrund ausgeführt werden. Die vom der Sensorik erfassten Daten werden jeweils über drei Ringschleifkontakte an das extern ausgelagerte hammerförmige Elektronikeinheit übertragen. Neben einer Standardbatterie ist hier wohl auch noch die Funkantenne und der “Prozessor” des Systems untergebracht. Über die Betriebsdauer verrät Garmin noch keine Details, die Batterie ist aber vom Nutzer selbst wechselbar, so dass hier keine regelmäßigen Wartungszeiten samt Unterhaltungskosten entstehen. Das System aus zwei unabhängigen Pedalen besteht, fungiert eines der Pedale als “Master”, welches alle Daten an den Fahrradcomputer überträgt . Das zweite Pedal dient lediglich als “Slave” (zu deutsch Diener oder Sklave) dem ersten Pedals. Der “Sklave” überträgt seine erfassten Daten an das “Master” Pedal. Dieses berechnet daraus nicht nur die aktuelle Leistung, sondern auch die Rechts-Links-Kraftbalance/Verteilung und, laut Garmin, auch den “Runden Tritt” in Echtzeit. Letztere beiden Werte benötigen allerdings kompatible ANT+ Geräte um auch angezeigt zu werden. Die genauen Details der Firmwareupdates habe ich in der Aufzählung “Technische Details” weiter unten zusammengestellt.

Über die “Genauigkeit” schweigt sich Garmin offiziell noch aus. Unter vorgehaltener Hand möchte Garmin aber einen Fehler von weniger als ±1,5% erreicht haben. Dies wäre ein Tick besser als  der aktuell auf dem Markt befindlichen und zum Teil deutlich teureren Systeme von (SRM oder Quarq. Allerdings muss Garmin nach den vielen marketinglastigen Präsentationensich erst noch am Rad und zum Beispiel gegen ein Cyclus2 beweisen. Zudem geht Garmin momentan auf einige technische Fragen nicht genau genug ein. Zum Einen wird die schnelle Wechselbarkeit des Pedals beworben, zum Anderen nicht erklärt, wie das Pedal die Kurbelarmlänge erfasst. Dies ist ein essentiell wichtiger Einstellungswert, den das Pedal zur richtigen Messung benötigt, aber am Pedal selbst auf Grund fehlender Knöpfe nicht eingegeben werden kann. Hierfür ist entweder eine Programmierung über eine Software & ANT+ USB Stick oder des Anzeigegerätes (Garmininterne Lösung da nicht Teil des ANT+ Protokolls) nötig. Auch wird offen Gelassen, wie Garmin die Problematik der unterschiedlichen Krafteinleitung in die Pedalachse erfasst. So “verbiegt” sich bei gleich hoher Kraft, durch den längeren Hebel die Achse das Pedals umso mehr, je weiter außen die Kraft eingeleitet wird.

Hier noch einmal alle technischen Details des Garmin Vector Pedals im Überblick:

  • Integrierte Lösung (Pedal-based): Keine aufwändige Umbauarbeiten an Kurbel, Tretlager oder Laufrad notwendig
  • Einfache Montage: auspacken, anschrauben und losfahren
  • Einfacher Wechsel zwischen mehreren Rädern möglich! Ohne Kalibrierung oder Verwendung zusätzlicher Sensoren
  • Gewicht (der Elektronikeinheit): ca. 50 g je Kurbel
  • Batterie: CR2032 Lithium Knopfzelle (ohne Werkzeug schnell selbst zu wechseln, weit verbreitete, kostengünstige Batterie) und geringer Energieverbrauch Dank ANT+ Datenübertragung
  • Genauere Trainingsdaten: Misst unabhängig linkes und rechtes Pedal und zeigt in Zukunft die Tritteffizienz und den runden Tritt
      Kompatible Garmin-Geräte und Funktionen

    • Edge 800: Wattanzeige und zusätzlich Verteilung links/rechts, sowie links/rechts Balance-Grafik, TSS, NP, IF und wattspezifische Intervalle (Firmwareupdate erforderlich)
    • Edge 500: Wattanzeige und zusätzlich Verteilung links/rechts, sowie TSS, NP, IF (Firmwareupdate erforderlich)
    • Forerunner 310XT: Wattanzeige und zusätzlich Verteilung links/rechts (Firmwareupdate erforderlich)
    • Edge 705: Wattanzeige (wie bei aktuellen Wattmesssystemen)
  • Lange Lebensdauer: Die Sensoren sind – gut geschützt – in der Pedalachse verbaut
  • Lieferumfang: 2 Pedale, 2 Elektronikeinheiten und ein ANT+ USB Stick
  • Unverbindlicher Verkaufspreis: 1295,– Euro
  • Markteinführung: ab Dezember 2011

Zu Schluß noch eine Erfreuliche Meldung am Rande. Mit der Einführung des Vector Pedals bekommen diverse Garmin Geräte, wie schon erwähnt, kostenlose Firmware-Updates spendiert. So werden der Garmin Edge800 sowie Edge500 ab Herbst 2011 sobald ein ANT+ kompatibler Leistungssensor gekoppelt wird, TSS (TrainingStressScore), IF (Intensety Factor) und NP (Normalized Power) in Echtzeit im Display anzeigen können.

Quellen:

Garmin Deutschland Pressemitteilung - Garmin Vector: Neues Pedalsystem zur Leistungsmessung für Radfahrer
DC Rainmaker Blog: Garmin Announces Vector Power Meter Release Date & Availability Info, also Garmin Edge 200 release

EuroBike’11: Details & Fotos rund um Garmins Vector Leistungsmesspedale
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    #1 Artikel von hulster  (Vor 2 Jahren)

    1. Schöner Artikel mit Details

    2. Ist es wirklich so, dass die neuen Werte TSS, NP, IF vom 310XT nicht angezeigt werden können?

    3. Zum Kommentar von Hukch
    Es mag sein das Look/Polar nach deinem Eindruck ein serienreifes Produkt auf der Eurobike 11 vorgestellt hat. Fakt ist, es finden sich weder auf der Look noch auf der Polar Seite AKTUELLE Infos zu dem Produkt. Auch keinerlei Produktankündigungen oder Termine. Auch sonst finden sich in keinerlei Berichten über die Eurobike Infos zu dem Produkt. Und habe durchaus eine wenig gesucht.
    Fakt scheint aber zu sein, dass es nicht ANT+ sein wird und ich somit komplett auf Polar festgelegt wäre.
    Grundsätzlich finde ich LukeNRGs Artikel auch nicht meinungsbildend oder pro Garmin. Er beschreibt Fakten. Natürlich nur über ein Produkt.
    LukeNRG berichtet aber genauso über Polar Produkte. Die Tatsache, dass man zur zeit wenig über das Konkurrenzprodukt von Look/Polar findet, spricht einfach dafür, dass es zur zeit nichts zu berichten gibt.

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    #2 Artikel von müller  (Vor 3 Jahren)

    Schöner Artikel, aber Du hörst Dich an wie ein Polar [Anmerkung der Blogautors: Hiermit ist der Kommentar von Hukch gemeint]. Letztendlich werden wir beide Systeme testen und das bessere System wird sich durchsetzen! Egal wer zuerst war hauptsache es funktioniert. Mir als Kunde kann es doch egal sein, wer etwas zuerst erfunden hat oder wer kopiert hat. Hauptache ich bekomme es (möglichst) günstig und es hält was es verspricht.

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    #3 Artikel von Manfred  (Vor 3 Jahren)

    Der wesentliche Unterschied für mich ist, dass Garmin (Metrigear) den ANT+ – Standard unterstützt.
    Das ist für mich ein grundlegendes Manko der proprietären Polar-Lösung.

    Der Markt wird die Antwort geben.

    Positiv ist, dass Bewegung in den Powermeter-Markt gekommen ist.

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    #4 Artikel von Hukch  (Vor 3 Jahren)

    Meinungbildender Artikel (mit Garmin Werbefenster) über ein Produkt, das dem bereits an der EuroBike 2010 von Polar und Look präsentierten Keo Power Pedal verdammt ähnlich sieht. Immerhin hatte Garmin nach der Messe 2010 noch ein völlig anders aussehendes System mit Speedplay Pedal angekündigt. Es ist schon traurig zu sehen, wie viel da abgekupfert wird; erbärmlich, dass eine Firma die sich so präsentiert, das nötig hat. Aber das ist ja nichts neues, man schaue sich nur die Produktenamen an und vergleiche mit Polar; und die sind immerhin schon über 30 Jahre auf dem Markt.
    Übrigens haben Polar und Look im Gegensatz zu Garmin an der EuroBike 2011 bereits ein funktionierendes und anscheindend serienreifes System präsentiert. Und ob die kopierte Form eines Pedals auch mit der Qualität eines Marktführerpedals mithalten kann, das muss ja erst noch bewiesen werden.

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    #5 Artikel von serge  (Vor 3 Jahren)

    Sehr schöner Artikel,
    Hatt Garmin sich geäussert auch Ihr System auf Mtb Pedalen zu verwenden.

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    #6 Artikel von Radstudio Innsbruck (Vor 3 Jahren)

    Sehr schöner Artikel, vielen Dank für die genaue Ausführung. Wir denken dass die Systeme an den Pedalen in den nächsten 2 Jahren die alten, naben- und kurbelbasierten Dinger überholen werden.

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    #7 Artikel von whitesurf  (Vor 3 Jahren)

    Gibt’s eigentlich auch mal Neuigkeiten von Polar’s Powerpedalen?

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