Richtige Position auf dem Rennrad, ein guter Bikefit ist das A und O!

Im Radsport, sowie im Triathlon ist man stets darauf bedacht das leichteste, steifste, aerodynamischste und neueste Equipment zu haben. Im Idealfall ist alles farblich aufeinander abgestimmt und wird am besten in der aktuellen Saison von den Profis bei den großen Rundfahrten gefahren. Es wird jedoch oft vergessen, dass selbst das beste Equipment nur so schnell wie der Fahrer selbst ist und es vor allem zu dem Fahrer passen muss. Was hilft schon die neueste Zeitfahrmaschine, wenn die Position in der man momentan fährt die eigene Leistungsfähigkeit einschränkt und womöglich auf Dauer gesundheitsschädlich ist?

Doch welche Position ist denn nun die Optimale?

Um diese Frage zu klären, habe ich mich zu CycleFit.de nach Bensheim in die fähigen Hände von Lloyd und Britta begeben. Die Beiden betreuen seit Jahren Fahrer solch namenhafter Profiteams wie HTC-Highroad (z. B. gute Beispiele oder das gesamte Team?), Leopard Trek, Omega Pharma-Lotto, ebenso wie namenhafte Triathleten (z. B. Ain Alar Juhanson). Mit jahrelanger Erfahrung und der Unterstützung des modernsten Equipments wie dem Retül 3D Motion Capturing oder MotionLogic bieten die Beiden einen Bikefit auf Pro Tour Niveau an.

Doch wie genau geht ein guter Bikefit vonstatten und auf was sollte auf jeden Fall geachtet werden?

Zuerst sollte der Bikefitter auf den Fahrer an sich eingehen, um sich einen Eindruck von dem Athleten verschaffen. Hierbei ist es wichtig zu wissen welchen Disziplinen der Athlet nachgeht (z. B. Triathlet, Bahnfahrer, Mountainbiker, etc.) und ob er über Probleme (eingeschlafene Füße oder Hände, etc.) oder Schmerzen (im Knie, Rücken, o. Ä.) klagt und wenn, wann und wie diese auftreten. Daher beginnt Lloyd mein Bikefit mit einem ausführlichen Gespräch in dem die genannten Punkte abgeklärt werden.

Abbildung 1: Ausführliches EingangsgesprächAbbildung 1: Ausführliches Eingangsgespräch

Abbildung 1: Ausführliches Eingangsgespräch

Die aus einem guten Bikefit resultierende Position ist immer eine Kombination aus der theoretisch aerodynamischsten und der effektivsten Position, unter Berücksichtigung der körperlichen Einschränkungen des Fahrers. Daher ist es wichtig, dass diese Schwachstellen aufgedeckt werden.

Um meine körperliche Konstitution zu ermitteln, wurde mein gesamter Bewegungsapparat auf seine anatomische Form, muskuläre Dysbalancen und Dehnbarkeit überprüft. Des Weiteren wurde eine sehr exakte Fußanalyse durchgeführt, um auf die Fußform und etwaige Fehlstellungen genauer eingehen zu können. Es ist extrem wichtig die Einschränkungen des Körpers zu kennen und sich Zeit zu nehmen jeden Fahrer individuell zu betrachten. Ohne eine genaue und ausführliche Eingangsuntersuchung kennt der Bikefitter die Limitierung des Fahrers nicht und die resultierende Position mag theoretisch optimal, jedoch für den Fahrer möglicherweise nachteilig sein. Selbst das beste Equipment kann dies nicht wettmachen.

Abbildung 2: Anfangsanalyse des SportlersAbbildung 2: Anfangsanalyse des SportlersAbbildung 2: Anfangsanalyse des Sportlers

Abbildung 2: Anfangsanalyse des Sportlers

Nach der abgeschossen Untersuchung ging es danach daran mein Equipment anzupassen. Zuerst wurde das Hauptaugenmerk auf meine Schuhe gelegt, wobei das Großzehengrundgelenk markiert und die Position der Schuhplatten danach ausgerichtet wurde. Da ich, wie auf den Bildern zu sehen, Speedplay fahre, war keine rotatorische Anpassung der Pedalausrichtung nötig, da dies nach der Montage mittels zweier Stellschrauben vorgenommen werden kann. Der bei mir festgestellte Vorfuß-Varus wurde mittels speziell dafür gefertigter Keile ausgeglichen, welche jeweils zwischen Schuh und Pedalplatte montiert und unter meinen Einlegesohlen im Schuh platziert wurden.

Die Einstellung der Pedalplatten und die genaue Anpassung des Fußbettes und dessen Ausrichtung an den Fahrer ist essenziell, da über den Fuß die gesamte Vortriebskraft an das Fahrrad übertragen wird. Stimmt diese Verbindung nicht hundertprozentig, wird die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Fahrers dadurch wesentlich beeinträchtigt.

Abbildung 3: Ermittlung der Richtigen Pedalplattenposition, Keile für die Montage unter den Schuhen, Finales Setup der SchuhplattenAbbildung 3: Ermittlung der Richtigen Pedalplattenposition, Keile für die Montage unter den Schuhen, Finales Setup der SchuhplattenAbbildung 3: Ermittlung der Richtigen Pedalplattenposition, Keile für die Montage unter den Schuhen, Finales Setup der Schuhplatten

Abbildung 3: Ermittlung der Richtigen Pedalplattenposition, Keile für die Montage unter den Schuhen, Finales Setup der Schuhplatten

Nachdem die Anpassungen an meinen Schuhen abgeschlossen waren, begannen wir nun mit der eigentlichen Positionsbestimmung unter Verwendung des Retül Systems. Hierbei werden dem Fahrer acht LEDs an wichtigen Gelenken des Körpers befestigt (Fuß, Verse, Knöchel, Knie, Hüfte, Schulter, Ellbogen, Handgelenk). Diese LEDs werden mittels zweier Kameras gefilmt und aus den gewonnenen Daten werden die Bewegungen der Gelenke und die Winkel der Gelenke zueinander berechnet. Die Daten zeigen z. B. den größten und kleinsten Kniewinkel auf, wie weit der Arm gestreckt ist, den Hüftwinkel oder ob das Knie in seinem Bewegungsablauf irgendwelche Unregelmäßigkeiten oder Fehlstellungen aufweist. Auf Basis der Analyse dieser Daten werden daraufhin Veränderungen am Fahrrad vorgenommen.

Während dieser Analyse ist es wichtig, dass der Sportler in der Position und unter der Leistungsanforderung fährt unter der er später seine Leistung erbringen möchte. Aus diesem Grund achtete Lloyd sehr darauf, dass ich während den Messungen mit der richtigen Trittfrequenz und Leistung gefahren bin.

Abbildung 4: Retül Messung mit alter Position

Abbildung 4: Retül Messung mit alter Position

Nach der Auswertung der ersten Daten war klar, dass sich meine Position noch deutlich optimieren ließ. So wurde die Sattelhöhe um 5 mm verringert, mein Lenker gedreht und die Schalt-/Bremsgriffe neu positioniert. Des Weiteren wurde mittels einer anderen Sattel/Sattelstütz Kombination und durch einen 20 mm längeren und höheren Vorbau meine gesamte Sitzposition nach vorne bewegt. Diese Positionsveränderung war notwendig, um die Kraftentfaltung meiner Beine zu vergrößern und meine Position ökonomischer zu gestalten. Da ich meinen alten Sattel und Sattelstütze bereits aufs Maximum ausgereizt hatte, entschloss ich mich, hier auf neues Material umzusteigen. Zudem zeigte mir Lloyd anhand der ermittelten Messdaten, dass obwohl meine Speedplay Pedale bereits auf ihre maximal mögliche Breite eingestellt, sie dennoch nicht breit genug für meine Hüfte waren. Daher haben wir mittels einer neuen Pedalachse (Länge Alt 50 mm, Längen Neu 65mm) den Q-Faktor um 30 mm vergrößert.



Abbildung 5: Neue Position

Abbildung 5: Neue Position

Zur Überprüfung der neuen Position führten wir eine erneute Messung durch. Bezüglich der subjektiv empfundenen Veränderung kann ich nur sagen, dass es einfach unglaublich ist, was ein paar Millimeter hier und da für einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlgefühl auf dem Fahrrad haben. Obwohl ich mich persönlich sehr viel mit dem Thema Bikefitting beschäftige und meiner Meinung nach schon eine recht gute Position auf dem Fahrrad hatte, kommt es mir nun so vor, als hätte ich vorher nicht falscher auf dem Rad sitzen können. So groß fühlt sich der Unterschied an. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr von Fahrrad abgestiegen. Doch für diesen Tag waren wir mit dem Bikefit fertig. Lloyd musste nur noch die gefundene Position mittels des Retülsystems vermessen und digitalisieren. Auf diese Weise können bei einem Folgebesuch Veränderungen erkannt und nachvollzogen werden, sowie die Position auf jegliches andere Fahrrad übertragen werden.


Nun hieß es einige Zeit in der neuen Position zu fahren, muss um meinen Körper an die Veränderungen an Fahrrad und Schuhen zu gewöhnen. Nach 2-3 Wochen kann man eine Aussage darüber treffen, ob die verwendete Anzahl an Keilen für mich die richtige ist oder ob noch weitere Veränderungen der Position vorzunehmen sind. Nach Ablauf der Zeit erfolgt ein Kontrolltermin, um die Keile im Schuh zu entfernen und diese in eine maßgefertigte Einlegesohle umzuwandeln.

Abbildung 6: Vermessung der ermittelten PositionAbbildung 6: Vermessung der ermittelten Position

Abbildung 6: Vermessung der ermittelten Position

Fazit

Abschließend kann ich nur jedem wärmstens empfehlen Britta und Lloyd bei CycleFit.de einen Besuch abzustatten! Auch eine 400 km Anreise o. Ä. Sollte niemanden davon abhalten die Fahrt nach Bensheim zu CycleFit.de anzutreten um nach dem dreistündigen Bikefit mit einem Lächeln auf den Lippen und der perfekten Position auf dem Fahrrad sich wieder auf den Heimweg zu machen. Britta and Lloyd you make cyclists happy!

Richtige Position auf dem Rennrad, ein guter Bikefit ist das A und O!
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    #1 Artikel von Max (Vor 6 Jahren)

    Hallo Peter,

    also zuerst mal habe ich, Max, diesen Artikel geschrieben und auch das Fitting gemacht. Bezüglich des Fits für einen Triathleten kann ich leider keine Aussagen treffen, da ich selbst nur Radfahrer (Straße, Bahn, MTB) bin. Wie es sich bei dir anhört, bist du der Meinung, dass der Fit für dich nicht optimal war.
    Treten denn deine Beschwerden bei allen Distanzen auf, oder nur bei den Langen?
    Diesbezüglich würde ich nochmal bei CycleFit anrufen und nachfragen. Ein persönliches Gespräch ist immer besser und ich bin sicher, dass Britta und Lloyd kein Interesse an unzufriedenen Kunden haben.
    Bezüglich des Sattels muss ich sagen, dass ich sehr viele Athleten kenne, die keinen neuen Sattel bekommen haben. In meinem Fall bin ich aber sehr glücklich über den neuen Sattel. Ich habe diesen Sattel jetzt sogar auf fast allen meinen Rädern und kann mir nicht mehr vorstellen auf einem „normalen“ Sattel zu sitzen.
    Für die richtige Wahl eines Sattels kommt es natürlich auf die Druckverteilung an. Um aber den richtigen Sattel zu finden, muss man die Druckverteilung nicht unbedingt messen. Da man auf seinen Sitzknochen sitzen sollte, reicht es meistens schon aus den Abstand dieser zu messen und einen entsprechend breiten Sattel zu wählen. Bei der Auswahl sollten dann natürlich individuelle Vorlieben wie Härte, etc. berücksichtigt werden.

    Viele Grüße,
    Max

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    #2 Artikel von Peter  (Vor 6 Jahren)

    Hallo Luke,

    Deine Begeisterung über Cycle Fit kann ich nicht teilen. Auch ich hatte einen Termin und muss sagen, das ich nach einstellen der Sitzposition mehr Probleme hatte also vorher. Interessanterweise erhielt ich auf nachfragen bei Britta und Lloyd nie wieder eine Antwort.

    Ich habe mich daraufhin mit mehreren Triathleten unterhalten und alle kamen zur selben Meinung, das Cyclefit für reine Radfahrer sicher sehr gut ist, aber für Triathleten Fritz Buchstaller das non plus ultra ist.

    Die Einstellungen bei Cyclefit sind einfach zu sehr auf Watt ausgelegt. Das heisst sie versuchen möglichst viel Watt rauszuholen, bei gleichbleibender Trittfrequenz. Aber gerade für die Komplexität und Länge einer Langdistanz, sind Faktoren wie ein funktionierender Körper um ein vielfaches wichtiger als das letzte Watt. Wenn man dann zwar sehr gut Rad fahren, aber nicht mehr laufen kann (in meinem Fall Seitenstechen bei jedem Rennen – hatte ich vor der Einstellung nie) ist das ziemlich frustrierend.

    Daher von mir ein klares Daumen runter für Cyclift und keine Empfehlung.

    Apropos, ja, irgendwie marschiert jeder bei denen mit nem neuen Sattel raus obwohl gar kein Satteldruck gemessen wird. Ich hab den Sattel damals abgelehnt.

    Danke und Gruss
    Peter

  4. avatar
    #3 Artikel von Guido  (Vor 6 Jahren)

    Hallo LukeNRG,

    wie mir scheint, funktionieren die Links zu Cyclefit.de nicht. Vielleicht kannst du das ja noch ändern. Ansonsten ein sehr interessanter Artikel. Ich denke auch schon länger über sowas nach.

    Viele Grüße
    Guido

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    #4 Artikel von Robert  (Vor 6 Jahren)

    Wie fast jeder Besucher fuhrst auch Du mit einem neuen Sattel nach Hause *LOL*

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