Der Test: Garmin Forerunner 310xt vs. Polar RS800cx [Teil 2]

Erweiterte Funktionen

Höhenmessung

Als ersten erweiterte Funktion ist die Erfassung der Höhe und somit der erklommenen Höhenmetern interessant. Zugegeben für Läufer ist dies eher unwichtig, aber für Radfahrer und/oder Triathleten ein nicht zu vernachlässigender Messwert. Garmin verzichtet, im Gegensatz zu seinen Radcomputern Edge 305 oder 705, auf einen barometrischen Drucksensor und „vertraut“ bei der Höhenmessung auf die Angaben des GPS Empfängers. Dies geht sehr zu Lasten der Genauigkeit. Wer SportTracks mit dem Elevation Correction Plug-In nutzt, kann allerdings relativ einfach die Werte „korrigieren“. Polar hingegen hat in der RS800cx ein barometrischen Drucksensor integriert, so dass die Höhenmeterangaben bei ensprechender Kalibrierung sehr genau sind.

Fitnessniveau und Übertrainingstest

Auf der Pulsmessung und im besonderen auf der Variabilität der Herzfrequenz aufbauend bietet die Polar RS800cx den FitnessTest, sowie den OwnOptimizer Test. Erster soll dazu dienen die eigene Leistungsfähigkeit besser beurteilen und um die maximale Sauerstoffaufnahme (V02max) bestimmen zu können. Hierbei basiert der Test, laut den Herstellerangaben, auf Geschlecht, Alter, Größe, Körpergewicht, physischem Aktivitätsniveau, Herzfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in Ruhe. Der OwnOpzimizer Test basiert hingegen auf dem orthostatischen Test. Regelmäßig durchgeführt kann er bei der Trainingssteuer helfen und dient insbesondere der Übertrainingsprävention. Der OwnOptimizer Test betrachtet hierbei das Verhältnis der Ruheherzfrequenz im Liegen und Stehen sowie selbstverständlich die auftretende Variabilität der Herzfrequen. Eine verminderte Variabilität und/oder ein ausgeglichenes Verhältnis deuten z.B. auf ein vermindertes Regenerationsverhalten mit drohendem Übertraining hin. Der Forerunner 310xt hingegen bietet als einzige Testmöglichkeit die Erholungsherzfrequenz an, welche die Herzfrequenzdifferenz zwei Minuten nach dem Beenden des Trainings bestimmt.

Navigation

Screenshot der Forerunner 310xt "Wurmnavigation"Beide Geräte sind keine Navigationslösungen und lediglich der Forerunner bietet die elementarste Art der Navigation. Ein absolviertes Training, von Garmin „Protokoll“ genannt, kann man in eine sogenannte Strecke umwandeln. Auch kann man sich eigene oder von anderen öffentlich verigegebene Trainingseinheiten bei Garmin Connect in eine Strecke umwandeln und diese einfach an den Forerunner 310xt übertragen. Die vor dem Training ausgewählte Strecke kann man sich dann auf dem  Display als Linie in einer „virtuellen Karte“ anzeigen lassen. Da auf dieser Karte keine Straßen oder sonstigen Details vorhanden sind, fährt man einfach nur der angezeigten Linie, umgangssprachlich oft Wurm oder Wurmnavigation genannt, nach. Zudem kann man mit einer Strecke sich selbst als Vorgabe für den Virtuellen Partner machen. Hierzu später mehr.

VirtualPartner vs. Geplante Trainingseinheiten

Der Forerunner 310xt bietet wie schon seine Vorgänger die Möglichkeit eines virtuellen Partners. Dies bedeutet, man kann sich ein digitales Gegenüber mit einer zu Beginn eingestellten Geschwindigkeit auswählen. Während der Einheit wird einem dazu entsprechend ein kleine graphische Übersicht sowie der Vorsprung bzw. Rückstand sowohl in Sekunden als auch in Metern angezeigt. Diese Funktion ist im Wettkampf als virtueller Hase sicherlich sehr nützlich. Hat man, wie oben erwähnt, auch eine Strecke auf seinem Forerunner, dann kann man auch den virtuellen Partner nach den darin enthaltenen Informationen einstellen. Anstatt immer die gleiche Geschwindigkeit beizubehalten, fährt der Gegner bergauf ebenso langsamer, wie man selbst. Dafür ist er auch bergab gleichfalls schneller unterwegs. So kann man seine wettkampfspezifische Ausdauer gegen seine eigene Bestzeit verbessern.

Auf das Bild Klicken, um es zu vergrößern... Bei Polar gibt es eine solche Funktion nicht. Hier hat man Wert auf eine flexible Trainingsplanung, nicht nur nach der Geschwindigkeit, entwickelt. Man kann anhand einer graphischen Oberfläche ein Training mit bis zu zwölf Phasen, welche sich beliebig und beliebig oft wiederholen lassen. Eine solche Phase kann man nach Zeit, Herzfrequenz, ansteigende oder abfallende Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Schritt- bzw. Trittfrequenz erstellen. Mit ansteigender  oder abfallender Herzfrequenz ist gemeint, dass die Phase solange dauert, bis eine definierte Herzfrequenz über oder unterschritten wird. hat man eine Trainingseinheit auf dem PC erstellt, kann man diese abspeichern und somit beliebig oft in seinen Trainingsplan leicht abwandeln und wieder einbauen. Synchronisiert man die Polar RS800cx mit der ProTrainer 5 Software, wird der Trainingsplan der nächsten drei Wochen automatisch an das Gerät übertragen.

Software und online Services

Polar ProTrainer 5 Software und der polarpersonaltrainer.com Webservice

Polar liefert die RS800cx zusammen mit der ProTrainer 5 Software und einem passenden IrDA USB Adapters aus. So hat man, einen PC vorrausgesetzt, alles an der Hand um direkt mit der Computerauswertung zu beginnen. Dies beginnt natürlich beim Auslesen der erfassten Daten, geht über das Betrachten dieser Aufzeichnung und dem automatischen erstellen von Berichten über mehrere Wochen oder Monate  bis hin zur Trainingsplanung für die Zukunft. Die Stärken hierbei sind zum Einen, dass man komplexe Intervalltrainings fehlerfrei absolvieren kann, als auch zum Anderen sich in der Software Vergleiche zwischen absolvierten Trainingseinheiten und deren Zielvorgaben über einen beliebigen Zeitraum anzeigen lassen kann.

Der polarpersonaltrainer.com Webservice ist momentan (Version 3.3.5.2) der ProTrainer 5 Software deutlich unterlegen. Viele dort vorhandene Funktionen sind im Web noch nicht verfügbar, doch baut Polar den Umfang stetig aus. Auf der anderen Seite bietet der Webservice eine sehr nette Funktion namens „Wettkampf“ oder im englischen „Challenges“ genannt. Hier kann man mit Freunden oder mit Nutzern weltweit „virtuelle Wettkämpfe“ austragen. Wer z.B. die meisten km läuft, oder mehr kcal verbraucht. Diese Idee macht Spaß und kann auch mit der entsprechenden Gruppendynamik sehr motivierend wirken.

Garmin Training Center Software, Garmin Connect Webservice und SportTracks

Garmin liefert seine Produkte ohne Software aus, allerdings kann man sich, wie schon erwähnt, alle Softwarelösungen, wie Garmin Training Center (GTC), ANT+ Agent und das Communicater Plug-In kostenlos herunterladen. Zudem stehen seit Anfang 2009 alle Programme sowohl für Windows, als auch für Mac OS X bereit. Hier hören die positiven Merkamle aber auch schon auf. Verglichen mit der Polar Software bietet das Garmin Training Center nur einen eher bescheidenen Funktionsumfang und beschränkt sich auf die absoluten Grundfunktionen. Auch mangelt es scheinbar an der nötigen Stabilität was man häufig in diversen Internetforen nachlesen kann. Die weitere Zukunft der Software ist auch deshalb eher ungewiss, da Garmin sein Online Service Garmin Connect stetig weiterentwickelt. Hier kann man relativ bequem alle wichtigen Grundfunktionen wie Aktivitäten, Kalender, Berichte und sehr simple Ziele betrachten, festlegen oder an das Gerät übertragen.

Viele Garmin Nutzer vertrauen deshalb auf eine alternative Software, namens SportTracks. Sie bietet auf der einen Seite viele Grundfunktionen und kann auf der anderen Seite durch Plug-Ins erweitert werden. So ist zum Einen eine Equipmentverwaltung schon integriert und zum Anderen das oben schon genannte Elevation Correction Plug-In nachrüstbar. Der Nachteil ist, das eher Hardware seitige Funktionen wie Strecken nicht ohne weiteres aus SportTracks auf die Geräte übertragen werden können. Sprich man holt sich mit dem Ausweichen auf andere Softwarelösungen zwar neue Funktionen, aber auch neue Probleme „ins Haus“. Zudem ist die, was von vielen Nutzern oft missverstanden wird, die Nutzung von SportTracks nicht kostenlos. Der Entwickler stellt seine Software auf vertrauensvoller Weise zum freien Download bereit, allerdings geht er davon aus, dass Nutzer, nach einer gewissen Testphase Ihm genauso fair seine entsprechende Entwicklung honorieren.

Teil 1: Erhältliche Versionen und die  grundlegenden Funktionen
Teil 2: Erweiterte Funktionen und die verschiedenen Softwarelösung
Teil 3: Verwendung beim Laufen, im Radsport oder in der Königsdiziplin Triathlon
Teil 4: Mein Fazit

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