Der Test: Garmin Forerunner 310xt vs. Polar RS800cx [Teil 3]

Für Runner – Wer läuft wem davon?

Gerade der Forerunner wird speziell als Triathlonmodel beworben. Die meisten Käufer wird er aber, wie bei der RS800cx, unter den Läufern finden. Deshalb stehen viele Lauffunktionen im Vordergrund. Diese kommen aber auch den Triathleten und auch Gelegenheitsläufern entgegen. Die Geschwindigkeits- und Distanzerfassung funktioniert beim 310xt zunächst einmal über den integrierten GPS Chipsatz. Hierbei ist die Distanzmessung sehr genau und die Abweichungen liegen im Bereich von ca. 2%. Was mich hierbei verwundert hat, ist dass die gemessenen Strecken immer zu kurz ausgefallen sind. Egal ob zu Fuß oder auf dem Rad. Die über das GPS System ermittelte Geschwindigkeit ist allerdings weitaus weniger genau. Dies liegt einfach an den Systembedingten Fehlern worauf ich in allerdings in meinem Artikel „GPS – Kritische Auseinandersetzung im Hinblick auf die Nutzung im Sport“ genauer eingehe. Fakt ist, dass die Anzeige auch bei bestem Empfang um den waren Wert schwankt und Abweichungen von bis zu 1min/km anzeigt. Als Lösungsansatz gibt es nur die Möglichkeit, sich entweder eine AutoLap zu programmieren und sich die durchschnittliche Geschwindigkeit pro Runde anzeigen zu lassen. Allerdings hat dies bei z.B. einer 1000m AutoLap den Nachteil, dass die ersten Meter ebenfalls schwankend sind und je mehr man von der Runde absolviert hat, die Anzeige Träger wird und leichte Tempoverluste nur verzögert und stark gedämpft wieder gibt. Die Zweite, wesentlich elegantere Lösung, ist die Verwendung des SDM4 Laufsensor. Den 310xt kann man so einstellen, dass die Geschwindigkeit (und natürlich auch die Schrittfrequenz) vom Laufsensor angezeigt und gespeichert werden, die Distanz allerdings nachwievor vom GPS System ermittelt wird. Will man diesen Wert ebenfalls vom Laufsensor ermittelt haben, bleibt einem nur die komplette Deaktivierung des GPS-Modus und damit der Verzicht der Routenverfolgung übrig. Nach dem vorher schon beschriebenen Virtual Partner ist der Vibrationsalarm noch wirklich erwähnenswert. Zumindest für die „iPod-Runner“, welche durch die Musikbeschallung gerne mal den einen oder anderen akustischen Hinweis verpassen. Als ein echter Nachteil ist allerdings noch folgender Umstand zu sehen: Der Forerunner kann momentan (Firmware 2.6) nicht zwischen manuellen Laps, also Zwischenzeiten, und AutoLaps unterscheiden. Nimmt man eine manuelle Zwischenzeit, wird die Distanz der aktuellen AutoLap auf 0 zurückgesetzt und von dort ab erneut mit der Messung begonnen.

Dies hat Polar mit der RS800cx eindeutig besser gelöst. Hier werden bei den Zwischenzeiten drei verschiedene „Datenreihen“ gespeichert. Zunächst natürlich die manuellen Zwischenzeiten, dann die AutoLaps und zuletzt, sofern ein entsprechendes Training vorliegt, noch die so genannten Phasenwechsel. Letztere sind die Übergänge von den bis zu zwölf verschiedenen und beliebig wiederholbaren Trainingsphasen einer geplanten Trainingseinheit. Um die Geschwindigkeit und die zurückgelegte Distanz ermitteln zu können, ist die RS800cx auf jeden Fall auf einen externen Polar Sensor angewiesen. Dies kann entweder der G3 GPS Sensor oder der s3 Laufsensor sein. Ersterer ermittelt zusätzlich die GPS Koordinaten und der Laufsensor erfasst zusätzlich die Schrittfrequenz. Auch kann man beide Sensoren Gleichzeitig verwenden, wobei hierbei automatisch die Daten vom s3 Laufsensor und zusätzlich die GPS Koordinaten vom G3 GPS Sensor verwendet werden. Eine Abweichung von dieser Konfiguration ist dann allerdings nicht möglich.

Die Displayanzeigen beider Geräte sind sehr flexibel und können fast beliebig angepasst werden. Bei der RS800cx können drei Parameter und beim Forerunner bis zu vier Werte gleichzeitig angezeigt werden. Letzteres wird dann bei schnellen Tempoeinheiten schwerer ablesbar. Gerade jetzt im Winter ist die Displaybeleuchtung besonders wichtig. Die des Polar Gerätes ist akzeptabel, kann aber allerdings nicht mit der Helligkeit des 310xt mithalten. Zudem haben hier die Garmin Entwickler einen Schritt weitergedacht und die Displaybeleuchtung schaltet, bei aktivierten GPS, anhand der übermittelten Daten passend zum Sonnenuntergang die Displaybeleuchtung automatisch ein.

Für Radfahrer

Beide Geräte eignen sich ebenfalls auch zum Rad fahren. Der RS800cx muss allerdings auch hier zur Geschwindigkeits- und Distanzmessung mit externen Sensoren gekoppelt werden. Polar bietet hier zum Einen den Bike Speedsensor w.i.n.d. und den Bike Trittfrequenzmesser w.i.n.d. und zum Anderen wiederum den Polar G3 GPS Sensor an. Letzterer eignet sich wegen der Batterielaufzeit für kurze Trainingseinheiten auf dem Mountainbike oder Crosser. Ansonsten ist der „konventionellen“ Sensor sicherlich die günstigere und „genauere“ Wahl. Der 310xt kann mit dem kombinierten Garmin Speed und Trittfrequenzsensor GSC10 verwendet werden. Allerdings wird hier nur auf die Geschwindigkeitssignale des Sensors zurückgegriffen, sofern kein GPS Empfang besteht. Der Radumfang muss hierbei nicht eingegeben werden, sondern wird vom Gerät zu Beginn jeder Trainingseinheit automatisch ermittelt!!! Zusätzlich kann der Forerunner noch mit einem ANT+Sport kompatiblen Leistungsmessgerät, wie es SRM, Cycle-Ops oder Quarq anbieten verwendet werden. Allerdings darf man hier, außer der Speicherung der Leistung in Watt nichts zusätzlich erwarten. Die entsprechenden „Originalcomputer“ der Hersteller bietet hier wesentlich mehr Möglichkeiten, wie z.B. Rechts-Links Verteilung der erbrachten Leistung oder die Anzeige der maximalen Leistung über 5s oder 30s. Bei Polar ist zwar auch ein Leistungssensor erhältlich, dieser ist aber nicht mit der RS800cx kompatibel.

Dafür bietet die RS800cx den für Radfahrer wesentlich wichtigen barometrischen Höhensensor. Dieser erfasst die aktuelle Höhe und zurückgelegten „Höhenmeter“ sehr genau und erlaubt im nach hinein eine gute Einschätzung der gebrachten Trainingsleisung. Garmin hingegen verzichtet den Drucksensor und verwendet stattdessen die vom GPS-Chip ermittelten Höhenwerte. Diese sind allerdings so ungenau, dass man Sie erst garnicht erfassen müsste. Im Durchschnitt hatte ich bei meiner „Hausrunde“ anstatt insgesamt ca. 25 Höhenmetern (drei Autobahnbrücken) im Schnitt 250 ermittelte Höhenmeter und somit den 10-fachen Wert. Mit Hilfe des aufgezeichneten  Weges und einer Softwarelösung kann man die Höhendaten allerdings auch mit dem 310xt im Nachhinein noch ausreichend genau ermitteln.

Gerade  für Radfahrer in unbekannten Gelände bietet sich die zuvor schon erwähnte „Wurmnavigation“ an. Hier kann man Strecken, z.B. von anderen Garmin Connect Nutzern, auf sein Gerät herunter laden und so in „Echt“ nachfahren. Sobald man von der Strecke abweicht, wird man vom Gerät gewarnt. Hat man den Vibrationsalarm eingeschaltet, so vibriert der gesamte Lenker und es kribbelt in den Fingern. Manch einer kann dies sicher als unangenehm empfinden, was aber nicht weiter schlimm ist, da man den Vibrationsalarm abschalten kann.

Die Königsdisziplin! Verwendung im Triathlon

Um es vorwegzunehmen! Die wünsche der Marketingstrategen decken sich nicht immer mit der Realität. Garmin wirbt unverholen mit dem Wort Triathlon, während Polar etwas geschickter das Wort Multisport wählt. Defacto sind beide Geräte nur bedingt für den Triathlon (Wettkampf) geeignet. Dies liegt zu allererst an von beiden Geräten verwendeten Übertragungstechnik im 2,4GHz Bereich, welche keine Übertragung im Wasser ermöglicht. Sprich, eine Aufzeichnung der Herzfrequenz ist so im Schwimmtraining oder der ersten Phase des Wettkampfes unmöglich.

Definitiv positiv ist, das beide Geräte die Dauer eines Ironmans durchhalten. War beim Vorgänger des 310xt, also dem Garmin Forerunner 305 meist schon nach 8 Stunden der Akku leer, so hält das aktuelle Gerät mit einer Akkuladung meiner Erfahrung nach 15 bis 18 Betriebsstunden durch. Die RS800cx hat dieses Problem sowieso nicht, da Sie mit einer Batterieladung mehre Jahre durchhält. Das Polar Gerät, passte in meinem Test gerade so unter meinen Neoprenanzug der Größe M. Die 310xt habe ich zwar versucht unter den Neo zu bekommen, aber hab dies aus Angst ums Material abgebrochen. Sie passt definitiv nicht unter den Neo. Allerhöchstens darüber, sofern man Sie dann noch ums Handgelenk bekommt. Dementsprechend ist aber der Wechsel aufs Rad komplizierter, weil man die Uhr zunächst ausziehen und dann wieder anziehen muss.

Ein Wettkampf stellt beide Geräte vor besondere Herausforderungen. So sollte man in der Wechselzone einfach & schnell auf die nächste Disziplin mit deren ggf. wechselnden Sensoren wechseln können. Polar hat hier überhaupt keinen automatischen Ablauf integriert und auch die entsprechenden Einstellungen so gelegt, dass man mindestens fünf Tastendrucke ausführen muss, um die Sportart und deren verwendete Sensoren wechseln zu können. Entsprechend werden einem die Einheiten dann in der Software als so genannte „Multisport“-Einheiten präsentiert. Der Ablauf vereinfacht sich, sofern man die einzelnen Disziplinen als geplante Trainingseinheit auf dem Gerät hinterlegt. Garmin hat hier einen Schritt weiter gedacht und einen „Auto Multisport“ Modus in den 310xt integriert. Diesen kann man so programmieren, das man bei jedem Betreten und verlassen einer Wechselzone die „Lap-Taste“ drücken muss und dass das Gerät automatisch die vorher hinterlegten Sportarten anwählt. Hat man allerdings diese Funktion aktiviert, ist es leider nicht mehr möglich, Zwischenzeiten oder Runden zu nehmen. Auch eine Auslösung der „Lap-Taste“ kann dramatische Folgen für die Aufzeichnung haben und diese eventuell unbrauchbar machen.

Aus den oben genannten Gründen kann man erkennen, dass die Triathleten als Kunden gerne „mitgenommen“ werden, aber nunmal nicht die Hauptzielgruppe darstellen. Aufgrund der Übertragungstechnik und der eingegangenen Kompromisse erkennt man, dass den Herstellern die Läufer besonders am Herzen liegen. Durch die Radfunktionen eignen sich aber beide Geräte nicht nur fürs Lauf, sondern auch fürs Radtraining, sowie den meisten Cross Sportarten in der Winterzeit. Bei den Trainingsfunktionen leistet sich gerade Polar noch eine kleine Unschönheit. Die RS800cx kann zwar mehrere verschieden Herzfrequenz Zonensätze, von Polar SportZonen Sätze gennannt, verwalten, aber diese beziehen sich, sofern in Prozent der maximalen Herzfrequenz eingegeben immer auf die gleiche, nämlich den in den Benutzerdaten der RS800cx hinterlegte, maximale Herzfrequenz des Sportlers. Hier hat Garmin einen schritt weiter gedacht und hat es ermöglicht, jeder Sportart eigenen Zielzonen-Sätze mit einer jeweiligen maximalen Herzfrequenz integriert. Dies ist gerade für Sportler interessant, welche a) eine regelmäßige Leistungsdiagnostik betreiben und b)  häufig zwischen Rad- und Lauftraining wechseln.

Teil 1: Erhältliche Versionen und die  grundlegenden Funktionen
Teil 2: Erweiterte Funktionen und die verschiedenen Softwarelösung
Teil 3: Verwendung beim Laufen, im Radsport oder in der Königsdiziplin Triathlon
Teil 4: Mein Fazit

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  2. avatar
    #1 Artikel von Peter  (Vor 6 Jahren)

    Hallo !
    Es stimmt das man den RS800 länger benutzen kann, jedoch hält der GPS Laufsensor nur ca. 3 Std durch (Batterie abhängig) und somit, nicht für Langstrecke geeignet. Vorteil für 310XT.
    Danke für deine gute Ausführung, wird mir bestimmt bei der Entscheidung helfen ! Zur Zeit benutze ich den RS800.

    Peter

    • avatar
      #2 Artikel von LukeNRG  (Vor 6 Jahren)

      Eine Laufzeit von 3h erscheint mir als zu kurz. Diese kurze Laufzeit erreicht man allenfalls mit schlechten Batterien&Akkus. Mit qualitativ hochwertigen Energiespendern sind Laufzeiten von ca. 7,5h (Akku) 15h (Batterie) die Regel.

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